Eine Geburt braucht gutes Timing – Oma  Klara & Opa Peter (Teil 3)
Vitaritus 2 Jung & Alt: Geburten brauchen gutes Timing - Oma Klara & Opa Peter (Teil 3)

Eine Geburt braucht gutes Timing – Oma Klara & Opa Peter (Teil 3)

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Oma Klara & Opa Peter (Teil 3): Eine Geburt braucht gutes Timing

09.07.2020

Opa Peter & Oma Klara

Drei Kinder. Drei verpasste Geburten, obwohl er immer dabei sein wollte. Könnte das ein Rekord sein? Opa Peter ist sich immer noch nicht sicher, ob Oma Klara das nicht doch extra gemacht hat. Was du definitiv aus diesem Beitrag lernen kannst, ist, dass eine Geburt auf jeden Fall gutes Timing benötigt aber gleichzeitig auch absolut nicht planbar ist. Jung & Alt freut sich sehr auch Teil 3 der Lebensgeschichte von Oma Klara & Opa Peter veröffentlichen zu dürfen. Dieses Mal schauen wir auf einen neuen Lebensabschnitt von Oma Klara & Opa Peter mit einem Schmunzeln im Gesicht. Für Teil 2 kannst du gerne hier klicken. Teil 1 findest du hier

Oma Klara:
„Ein Jahr später, nach dem Tod von Sascha, war dann unsere Tochter Sandra unterwegs. Zu dieser Zeit war ich 18 Jahre alt. Viereinhalb Jahre darauf haben wir unsere einzige geplante und jüngste Tochter Kathy bekommen. Peter wollte bei jeder Geburt dabei sein. Das hatte aber schon bei unserem ersten Kind nicht funktioniert und dann später bei Sandra sollte es das auch nicht. Bei Kathy war es leider auch nicht anders…“

Opa Peter:
„Nachdem unser Sohn Sascha gestorben war, sind wir in eine andere Wohnung gezogen. Diese befand sich im 2. Stock, direkt über der Wirtschaft „Zum Hirsch“ in Königsberg. Zu dieser Zeit war Klara mit Sandra schwanger. Als Sandra schließlich unterwegs war, ihre Geburt war 17 Tage zu früh, rief mich unsere Vermieterin an und sagte: „Peter, Klara ist ins Krankenhaus gekommen, ihre Fruchtblase ist geplatzt.“ Da ich mittlerweile ein eigenes Auto hatte bin ich sofort ins Krankenhaus gefahren, dort die Treppen hochgesprintet und fing direkt an aufgeregt dem Pförtner zu erklären: „Meine Frau ist ins Krankenhaus gekommen! Sie bekommt unser Kind!“ „Momeeeeeeent, wie heißen Sie denn überhaupt?“, kam es nur langsam zurück. Es stellte sich heraus, dass Klara noch gar nicht im Krankenhaus angekommen war. Der Pförtner vermutete, dass sie zusammen mit unserem Arzt, Doktor Rotholz, vorher noch kurz in seine Praxis gefahren sei: „Nehmen Sie Platz. Die kommen schon noch.“ Ich setzte mich auf einen Platz mit perfektem Blick auf die Auffahrt des Krankenhauses und auf den Eingang. Bei jedem Auto, was ankam, sprang ich aufgeregt auf. Es dauerte und dauerte und wieder machte sich ein ungutes Gefühl in mir breit. „Hier stimmt etwas nicht!“, dachte ich. Also bin ich zurück zum Auto, um ihnen entgegen zufahren. Auf dem Weg fiel mir allerdings ein, dass es zwei Wege von unserem Zuhause zum Krankenhaus gab. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie den anderen Weg nahmen, war mir zu groß. Also bin ich wieder zurück zum Krankenhaus. Hier war immer noch keiner.”

Opa Peter:
„Aber dann auf einmal kamen sie angefahren: Klara, der Doktor und auch meine Mutter mit dabei. Alles war gut. Doktor Rotholz wandte sich zu mir und versicherte mir, dass das Kind auf keinen Fall vor morgen kommen würde: „Fahren Sie ruhig heim. Wir rufen Sie an.“ Ich gab ihm die Telefonnummer meiner Arbeit. Was ich nicht wusste war, dass Klara ihm die Telefonnummer von uns zuhause und von meiner Mutter gab. Unwissend packte ich meine Mutter ein, lieferte sie zuhause ab und fuhr auf die Arbeit. Ich war noch nicht richtig von meiner Mutter weggefahren, da hat sie einen Anruf vom Krankenhaus bekommen: „Das Kind ist da!“ Aber ich, ich wusste von nichts und sie teilte es mir auch nicht mit, da sie annahm, dass das Krankenhaus mir ebenfalls Bescheid gab. So saß ich auf der Arbeit und zuckte jedes Mal zusammen, wenn das Telefon klingelte. Aber nie war es das Krankenhaus. Bis abends um 17 Uhr arbeitete ich, ohne einen Anruf zu bekommen. Meine Mutter und wahrscheinlich das halbe Dorf wusste es schon seit dem frühen Mittag. Um 17 Uhr konnte ich es nicht mehr aushalten und rief im Krankenhaus an. Die Antwort war folgende: „Wir haben Sie doch schon längst angerufen? Sie haben zur Mittagszeit ein Mädchen bekommen!“ „WAS?!“, ich konnte es nicht fassen. Ich fuhr sofort los, holte einen Blumenstrauß für Klara und kämpfte mich durch den Feierabendverkehr. Um viertel vor sechs kam ich in Ehringshausen an. Dort angekommen war gerade Stillzeit, also durfte ich nicht rein. Ich musste noch einmal eine halbe Stunde lang warten und draußen sitzen, bis ich um halb sieben endlich in das Zimmer durfte. Ich machte die Tür auf und was musste ich mir von Klara als Erstes anhören? „Wo kommst du denn jetzt erst her?!“, sagte sie. „Großartig…“, dachte ich.“

Vitaritus 2 Jung & Alt Oma Klara mit Töchtern
Oma Klara (Mitte) mit ihren Töchten Sandra (links) & Kathi (rechts) & ihrem Enkelsohn

Opa Peter:
„Bei der dritten Geburt, der Geburt unserer Tochter Kathy, wurde es dann auch nicht besser. Zu dieser Zeit haben wir in Wetzlar, direkt neben meiner Arbeitsstelle, gewohnt. Klara kam zu mir und verkündete: „Peter, es ist soweit!“ Also sind wir zusammen nach Ehringshausen ins Krankenhaus gefahren. Auch dieses Mal sagte der Doktor Rotholz zu mir: „Sie können ruhig nachhause fahren. Das dauert noch.“ „Oh nein, dieses Mal nicht: Ich werde bleiben!“; antwortete ich entschlossen. Ich habe lange gewartet. Gewartet und gewartet. Es wurde 15 Uhr, es wurde 16 Uhr. Also bin ich dann doch auf die Arbeit gefahren und von dort aus um 18:30 Uhr wieder zurück ins Krankenhaus zur Besuchszeit. Aber da war immer noch nichts passiert. Klara lag im Kreissaal und ich durfte sie dort besuchen. Die anwesende Hebamme bestätigte mir aber, dass das Kind wohl erst am nächsten Tag kommen würde. Deshalb bin ich danach nachhause gefahren. Ich schloss die Tür gerade auf, als ich hörte wie in der Wohnung das Telefon klingelte. Ich beeilte mich und nahm das Telefon ab: „Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Mädchen!“, ertönte eine Stimme an der anderen Leitung. Und so verpasste ich auch die Geburt meines letzten Kindes… Ich bin immer noch der Überzeugung, dass Klara das extra gemacht hat.“

Opa Peter:
„Später kam dann aber noch das Beste. Als ich abends von Klara wegfuhr, fuhr ich nach Königsberg, um zusammen mit meinen zwei Brüdern, in der Wirtschaft „Zum Hirsch“ die Geburt von Kathy zu feiern. Die Nacht habe ich dann bei meinen Eltern auf der Couch geschlafen. Zwischen halb zwei und zwei Uhr nachts bin ich wach geworden, weil ich einen unglaublichen Durst hatte. Deshalb bin ich im Dunklen in die Küche zum Wasserhahn gelaufen. Auf dem Weg dorthin stieß ich eine leere Flasche zu Boden. Sie zerbrach und die Scherben verteilten sich überall. Ich bin dann mitten in eine riesengroße Scherbe getreten. Allerdings bemerkte ich das erst einmal überhaupt nicht. Später erst, als ich hörte wie es bei jedem meiner Schritte „klack, klack“ machte, immer wenn die Scherbe auf den Boden traf. Ich hatte noch so viel Alkohol im Blut, dass ich nichts spürte. Dann machte ich aber doch das Licht an, um zu sehen, was los war und ach du meine Güte: eine große Blutlache breitete sich auf dem Boden aus! Gott sei Dank, habe ich die Glasscherbe allein nicht aus meinem Fuß herausbekommen und meine Mutter wurde wach. Sie kam in die Küche und schrie: „Herrjeh was ist denn hier nur passiert!“ „Hol ein Handtuch, es blutet stark!“, rief ich ihr zu. Mein Vater kam auch noch und sie versuchten die Blutung zu stillen, doch ein Handtuch nach dem anderen war von dem Blut durchtränkt. Meine Mutter wechselte gerade ein Handtuch als ich nur noch sah, wie sie in Ohnmacht fiel: denn mein Zeh ist dabei einfach mit abgegangen.“

Oma Klara:
„Ja, da hat Peter sich durch die Glasscherbe den Zeh abgetrennt.“

Opa Peter:
„Mein Vater hat aber wirklich super reagiert. Er hat den Zeh genommen und ist mit mir und meinem Zeh ins Krankenhaus gefahren. Dort kamen wir sofort dran, was kein Wunder war, wenn man sich meinen Vater mit dem Zeh in der Hand anschaute. Drei Stunden brauchten die Ärzte, um den Zeh wieder mit allen Sehnen und Bändern an meinen Fuß zu nähen. Also verbrachte ich die Nacht von Kathys Geburt ebenfalls, wie Klara und Kathy, im Krankenhaus. Nach der Operation bin ich  wieder direkt mit meinem Vater nach Königsberg zurück und bin dort fünf Tage zur Pflege bei meinen Eltern geblieben. Kathy musste am folgenden Tag nach Gießen in die Kinderklinik, weil sie einen Blutaustausch haben musste. So lag ich in Königsberg, Klara in Ehringshausen und Kathy in Gießen im Krankenhaus. Als Klara aus dem Krankenhaus entlassen wurde, haben wir uns dann zur „Familienzusammenführung“ in unserer Wohnung in Wetzlar eingefunden.“

Manchmal ist das Leben „verflixt und zugenäht“ und man kann nichts anderes tun als ungläubig den Kopf zu schütteln. Doch im Nachhinein betrachtet, zaubert diese Geschichte von Oma Klara und Opa Peter sicherlich vielen ein Schmunzeln ins Gesicht. So war es auf jeden Fall bei uns. Wie war es bei dir? Lasse uns gerne einen Kommentar da und berichte uns, wie du den Beitrag empfunden hast. Für weiteres Feedback an Jung & Alt steht dir wie immer unser Kontaktformular zur Verfügung.

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Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Ingrid Einsiedl

    Liebe Klara, lieber Peter, mir fällt sofort ein, mit Handy wäre eine ganz andere Situation für euch entstanden. Insbesondere Peter hat das zu spüren bekommen. Klara war beschäftigt.

  2. Renate

    Ja, wie das Leben so spielt. Von heute aus betrachtet hat es schon eine gewisse Komik, aber damals waren die Zufälle und Wirrungen bestimmt nicht lustig.
    Der Beitrag ist wundervoll erzählt!

  3. Beate Rahnert

    Wie das Leben so spielt. Eine tolle filmreife Geschichte. Es kommt alles anders, als man denkt. Lerneffekt und Spaß. Vielen Dank.

  4. Doris Renkl

    Das Leben hält für uns alle viele wunderbare und auch viele sehr traurige Lernaufgaben bereit. Und wenn wir uns zurückerinnern könnten, wüßten wir das es unsere gemeinsamen Lebensabsprachen waren bevor wir in dieses Leben inkarniert sind. Somit geschieht auch jeder Schicksalsschlag und jede Begegnung aus tiefer Liebe. Ich bin fest überzeugt das unser Aller größtes Lebensgeschen ist in der Liebe und Dankbarkeit immer zu wachsen.
    Ich durfte ein ganz wundervolles Buch lesen.
    “Mutige Seelen” von Robert Schwarz.
    Es hat mich tief berührt aber auch innerlich sehr ruhig gemacht. Ich danke von Herzen Oma Klara für ihre Freundschaft.
    Opa Peter hätte sich nicht gleich vor Freude über die Geburt den Zeh abtrennen müssen. Aber Gott sei Dank der Zeh ist gerettet.
    So kann man auch sagen Scherben bringen Glück

    1. Johanna Kehm

      Nachdem ich schon die ersten beiden Beiträge gelesen habe freute ich mich richtig auf den dritten. Alles so lebendig erzählt und man merkt, wie die Zeit sich seither schnell verändert hat. Im Alter kann man über viele Situationen lachen, dir damals schon aufregend waren

  5. Sybille Kettenmann

    Eine unglaubliche Geschichte mit wahrscheinlich noch vielen interessanten weiteren Episoden.

  6. Ursula Halter

    Wunderbar wie das Leben so spielt, sehr bewegend und doch voller Liebe. Danke für diesen wunderbollen Beitrag der zeigt das alles am Ende immer gut ist.

  7. Werner

    Eine wirklich tolle Geschichte, wie das Leben so spielen kann. Ich freue mich für die beiden, dass sie immer noch zusammen sind, durch dick und dünn. Vielen lieben Dank für das teilen Eurer ergreifende Lebensgeschichte, ich freue mich schon auf Teil 4:-)))

  8. Katja

    Hallo liebes Team!
    Ich finde die Geschichte in die Kategorie Lachen zu stecken eher nicht passend. Da erwarte ich keine toten Kinder ect.

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