Nonna Bärbel: Eine starke Frau
Jung & Alt: Nonna Bärbel und ihr Mann Gisbert

Nonna Bärbel: Eine starke Frau

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Nonna Bärbel: Eine starke Frau

08.08.2020

Nonna Bärbel

Wir alle kennen viele starke Frauen. Nonna Bärbel ist eine von ihnen. Sie sucht sich immer neue Herausforderungen und zeigt uns, dass Neugierde auf das Leben jung und fit hält. Jung & Alt hat mit ihr über ihre Zeit in Afrika, ihr Leben als berufstätige, alleinerziehende Mutter und ihre glückliche Zeit als aktive Oma gesprochen.

Jung und Alt Vitaritus eine starke Frau
Nonna Bärbel

Nonna Bärbel auf einen Blick

Name: Nonna Bärbel
Anzahl der Enkel: 3
Lieblingsessen: Ich esse eigentlich alles gerne. Besonders gerne mag ich Hausmannskost, wie Eintöpfe.

„Wir haben in meiner Kindheit nie lange an einem Ort gewohnt. Mein Vater war beim Militär, weshalb wir alle sieben Jahre umgezogen sind. Dadurch habe ich schon an ganz vielen Orten gewohnt. Besonders schwer war das Umziehen als Teenager mit 12 oder 13 Jahren. Du musstest dich umstellen und hast das Gefühl deine Identität zu verlieren. Danach warst du eine Andere. An meinem aktuellen Wohnsitz wohne ich mit meinem Ehemann jetzt seit 20 Jahren, ich war noch nie so lange an einem Ort. Das ist für mich ein Novum. Wenn ich so zurückdenke ist es für mich ungewöhnlich, aber es ist gut.“

„Eine der aufregendsten Etappen meines Lebens war meine Zeit in Afrika. Afrika ist beeindruckend und unglaublich schön! Man hat das Gefühl: Das ist Mutter Erde!

Mit meinem damaligen Partner war ich dort zunächst im Urlaub. Anschließend hat es sich so entwickelt, dass wir drüber nachdachten, zu investieren und dort Besitz aufzubauen. Wir überlegten, ein kleines Feriendorf zu gründen. Ich habe zu dieser Zeit nicht fest dort gelebt, bin aber über einen langen Zeitraum hinweg drei Mal im Jahr nach Afrika geflogen. Das war damals mein Traum, meine beiden Söhne sollten in Nairobi ins Internat.

Viele Momente in Afrika waren aufregend: Einmal hatten wir Besuch von Freunden, die von unserem Standort in Mombasa aus in eine Lodge gefahren sind. Nachdem sie weg waren, haben wir gemerkt, dass sie ihre Eintrittskarten für die Lodge bei uns liegen gelassen haben. Das war ca. im Jahre 1982, damals gab es ja noch keine Handys und wir hatten keine Möglichkeit sie zu erreichen.

Da sie quasi unsere Gäste waren, habe ich mich verantwortlich gefühlt. Also habe ich gesagt „Ich fahre hinterher“. Von allen Seiten hieß es „Nein, auf keinen Fall. Schon gar nicht als Frau alleine“. Ich entschied mich trotzdem dazu, also begleitete mich ein junger Mann einer befreundeten Familie. Wir sind dann ab in den Pick Up und hinterher – fünf Stunden durch das Gelände. Kein Zaun schützt einen mehr vor den Tieren, das war wirklich gefährlich und ich würde niemandem dazu raten. Zum Glück ist uns nichts passiert. Am Ende waren unsere Freunde aber tatsächlich auch ohne ihre Tickets in die Lodge gekommen.“

Ein neuer Weg

„Dann hat sich diese Liebschaft zerschlagen. Afrika war mein großer Traum, in der ersten Zeit danach durfte ich gar nicht daran denken. Alleine in Deutschland mit meinen Söhnen musste ich natürlich Geld verdienen und habe mir einen Job im Verkauf gesucht. Das war aber zunächst nicht sehr zufriedenstellend. Ich dachte mir, bevor ich Leute berate brauche ich eine Basis. Und so entschied ich mich mit 37 Jahren nochmal dazu, eine Berufsausbildung als Schneiderin zu machen. Nachdem ich diese abgeschlossen hatte, hat mich eine Freundin auf ein neues Modegeschäft in Frankfurt aufmerksam gemacht. Ein edler Laden, der auch sehr hochwertige Stoffe und Seiden verkaufte.

Dort habe ich dann gearbeitet, das waren nochmal harte Jahre, Ich bin um sechs Uhr aufgestanden, oft habe ich bis nachmittags um 16 Uhr nichts gegessen oder getrunken und war, besonders am Anfang, nicht vor 20:30 Uhr zuhause. Aber es hat mir Spaß gemacht, ich hatte tolle Kundinnen und Kolleginnen. In unserem Garten steht ein Rosenbusch, den ich damals von einer Kundin geschenkt bekommen habe und eine damalige Kollegin ist heute noch eine enge Freundin von mir. Knapp zehn Jahre habe ich dort gearbeitet. Frauen müssen härter arbeiten um Anerkennung zu bekommen. Frauen investieren einfach mehr – privat und beruflich.“

Kinder und Beruf, das funktioniert

„Kinder und Beruf, das funktioniert. Es musste funktionieren. Meine beiden Jungs mussten mitspielen. Wenn sie aus der Schule kamen, dann hatten sie Zeit und mussten einkaufen gehen. Sie haben Kochen gelernt und wie man eine Waschmaschine bedient. Das war fast wie in einer WG. Wir hatten einen Umgang auf Augenhöhe miteinander und haben eine tolle Diskussionskultur gepflegt. Heute haben wir ein sehr enges und sehr nahes Verhältnis.

Heutzutage gibt es ganz andere Möglichkeiten, die wir damals gar nicht hatten. Ich musste meinen ersten Ehemann fragen, ob ich arbeiten darf. Zu unserer Zeit hieß es ja noch „Du machst das“ und fertig. Eigenes Interesse und persönliche Begabung, das stand damals nicht so im Vordergrund. Heute sage ich, das was du als Kind mochtest, versuch das in deinen Beruf einzubringen. Dann wirst du erfolgreich und glücklich.“

Auf Umwegen

„Als Schulkind hatte ich drei Traumberufe: Ich wollte immer Lehrerin, Schauspielerin oder Modezeichnerin werden. Das sind drei sehr unterschiedliche Ziele, aber am Ende habe ich alle drei auf Umwegen erreicht. Ich habe das Schneidern gelernt. Als Laienschauspielerin, war ich in einem Verein, in dem wir die Kostüme genäht und Stücke aufgeführt haben. Wir hatten das Glück, einen professionellen Regisseur dabei zu haben, das war wirklich toll. Lehrerin bin ich auch geworden, als Pilates-Lehrerin. Ich habe in einem Verein für Arbeit und Bildung arbeitslosen Mädchen und Frauen das Schneidern gelehrt. Die letzten drei Jahre habe ich zusätzlich als ehrenamtliche Deutschlehrerin für Flüchtlinge gearbeitet.”

Weitere starke Frauen findest du auf unserem Blog und unseren Youtube Kanal. Hast du selbst auch starke Frauen in deinem Leben? Oder hast du selbst schon viel erlebt? Hinterlasse uns einen Kommentar oder schreibe uns eine Nachricht.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Klara Tamara

    Ein sehr beeindruckendes Leben und eine starke Frau. Meine Hochachtung, wenn man es schafft seine Träume zu verwirklichen. Alles Gute weiterhin!

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