Opa Rudis Erfolgsfaktoren für den Beruf

Opa Rudis Erfolgsfaktoren für den Beruf

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Opa Rudi - Erfolgsfaktoren für den Beruf

21.06.2020

Opa Rudi

„Ich finde es bemerkenswert, wenn man von meiner Herkunft ausgeht, dass ich es geschafft habe, eine Firma in Amerika aufzubauen”, erzählt Opa Rudi. Erfolg im Beruf, das wünschen sich viele Menschen. Besonders in unserem Alter fragt man sich oft, wohin die berufliche Reise gehen wird und welchen Werdegang wir letztendlich einschlagen werden. Jung & Alt hat Opa Rudi, einen wahren Selfmade-Man, nach seinem Werdegang gefragt und einige Erfolgsfaktoren für den Beruf anhand seiner Erfolgsgeschichte für dich festgehalten.

Vitaritus 2 Jung & Alt Opa Rudi Lebenslauf erster Teil
Opa Rudis beruflicher Werdegang

„Ich musste schon im frühen Alter viel arbeiten. Ich habe die Milch mit dem Pony ausgefahren oder Äpfel und Pflaumen mit unserem Gutsherrn gepflückt. Dafür bekam ich ein paar Pfennige die Stunde und durfte Früchte mit nach Hause nehmen.“

Opa Rudi hat verschiedene berufliche Wege eingeschlagen, bevor er seine eigene Firma gründete. Wenn du mehr über seine Auswanderung nach Amerika erfahren möchtest, empfiehlt dir Jung & Alt den ersten Artikel über Opa Rudi “Die Auswanderung nach Amerika”.

Vitaritus 2 Jung & Alt Opa Rudi Erfolgsfaktoren im Beruf Lebenslauf zweiter Teil
Opa Rudis beruflicher Werdegang

Erfolgsfaktoren für den Beruf Nr. 1 - 3

Ein gutes Händchen für Menschen, zielstrebiges Arbeiten & eine Prise Glück

„Als wir zurück nach Deutschland kamen, nach meiner Zeit mit der Bundeswehr in Amerika, ging es los mit: „Such dir eine Arbeit!” Das war nicht einfach, denn zu dieser Zeit war es nicht besonders rosig in Deutschland. Nachdem ich erst ein paar Jahre als Versicherungsvertreter tätig war, wurde ich Außendienstmitarbeiter bei der Firma Telenorma. Zwei Jahre später bin ich zum erfolgreichsten Außendienstmitarbeiter bundesweit in meiner Sparte gekürt worden. Das kam, weil ich eigentlich schon immer ein ganz gutes Händchen für Leute hatte. So habe ich es geschafft, einen Deal mit der Firma „Penaten“ (von der Creme) auszuhandeln, den meine Firma schon lange wollte. Wie ich das gemacht habe? Ich bin einfach mal hingefahren und habe geguckt, mit wem ich ins Labern kommen kann. Es wurde der Pförtner, dem ich dann einen vom Pferd erzählt habe. So kam man an die Namen der Leute, die wichtig waren und mit denen man sprechen wollte. Der Pförtner gab mir den Namen des Sicherheitsingenieurs, mit dem ich einen Termin ausmachte. Und wie der Zufall so spielt im Leben, war sein Sohn auch in El Paso bei der Bundeswehr in Amerika, genau wie ich. Ich kannte ihn zwar nicht, aber so hatten wir gleich einen guten gemeinsamen Nenner gefunden, der meiner Firma die Türen zu Penaten öffnete. Ich will nicht sagen Glück – auch zielstrebiges Arbeiten war wichtig. Aber in dem Fall war es natürlich auch Glück, das mir geholfen hat.“

Erfolgsfaktor für den Beruf Nr. 4

Sei offen für neue Erfahrungen

„Später überzeugte mich mein Schwager, der in dieser Zeit eine Firma in Amerika gegründet hatte, für ihn zu arbeiten und wir, meine Frau, mein Sohn und ich sind nach Amerika ausgewandert. In kurzer Zeit wurde die Firma größer und größer. Ich war zuständig für bestimmte Produktgruppen und habe diese technisch betreut. Ich habe also versucht, den Leuten zu erklären was diese Dinger überhaupt machen, denn vieles war damals in Amerika noch unbekannt. 1996 ist mein Schwager an einem Gehirntumor gestorben und sein Sohn hat die Firma übernommen. Damit begann dann das Chaos hoch 10. Zu dieser Zeit war er noch ein sehr junger Mann, der davon überzeugt war, alles zu können und alles zu wissen. Der Sohn meines Schwagers ist eigentlich ein lieber Mensch und er hat mir auch nichts getan, aber wir beide haben arbeitstechnisch einfach nicht zusammengepasst.“

Erfolgsfaktor für den Beruf Nr. 5

Ergreife und nutze Chancen, aber kenne die Risiken

„Ich war also nicht mehr glücklich mit meinem Job. Wie der Zufall so wollte, rief mich dann eine deutsche Firma an und sprach mich auf unsere, den Bach herunter gehenden, Produktionszahlen an. Ich habe dem Besitzer dieser Firma daraufhin vorgeschlagen, zu uns rüberzukommen, um mit dem Sohn meines Schwagers zu sprechen. Dieser empfand diesen Termin allerdings als unnötig. Das hat den deutschen Firmenbesitzer sehr verärgert, sodass er mir ein unglaubliches Angebot machte: „Hör mal Rudi, ich will eine eigene Firma in der USA aufmachen. Willst du die Leitung übernehmen?“

„Das war zwar ziemlich cool, aber auch ein großer Konflikt. Auf der einen Seite war es eine sehr große Möglichkeit für mich. Auf der anderen Seite natürlich eine Familientragödie. Sehr viele Familienmitglieder von der Seite meiner Frau arbeiteten in unserer Firma und die Firma, die mir das Angebot machte, hat schon einen beträchtlichen Teil des Umsatzes ausgemacht. Ich habe lange mit meiner Frau gesprochen, die gar nicht begeistert war. Mein Sohn allerdings schon eher. Er hat damals in der gleichen Firma als Produktmanager gearbeitet. Da ich wusste, dass wenn ich in der Firma bleibe, ich die nächsten 25 Jahre unglücklich sein würde, erfasste ich den Entschluss mich einfach durchzusetzen und es zu machen! Zu dritt, mein Sohn, der Produktmanager für die Produkte der deutschen Firma und ich, verließen wir das Unternehmen.“

Erfolgsfaktor für den Beruf Nr. 6

The new kids on the block - nutze dein Netzwerk & lerne zu kämpfen

„Am Anfang (1999) waren wir „the new kids on the block“. Damals war ich 51 Jahre alt. Wir mieteten uns also eine kleine Einheit in einem Lagerhaus und haben ganz klein angefangen. Zu Beginn kauften wir uns einen Computer, den wir uns zu dritt teilten. Durch die Kontakte, die wir hatten, haben wir dann versucht, alles aufzubauen. Aber in den Kundenstamm unserer Konkurrenten einzubrechen – das war unglaublich schwierig. Bei manchen Herstellern wie Boeing konnte man nicht so schnell einen Fuß reinkriegen. Das haben wir zwar geschafft, aber nur mit hartem Kämpfen. Aber was ist schon einfach im Leben? Wenn du für dein Geld arbeiten musst, egal in welchem Job, dann ist es niemals einfach. Es ging schleppend vorwärts, aber nach eineinhalb Jahren haben wir dann Fuß gefasst. Der Platz in unserer kleinen Einheit reichte auch bald nicht mehr aus, weshalb wir umzogen. Kurz darauf haben wir unsere erste Mitarbeiterin eingestellt. So sind wir allmählich gewachsen. Mit 68 Jahren habe ich dann aber wirklich gedacht: „Es reicht jetzt! Ich gehe in Rente!“ Ich meine, ich habe mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten. Wenn man das mal hochrechnet sind das sehr viele Jahre. Ich bin sehr froh, dass mein Sohn die Firma übernommen hat.“

Erfolgsfaktoren für den Beruf Nr. 7 - 9

Ehrgeiz, Lernfähigkeit & Kontakte

„Das Management einer Firma war etwas komplett Neues für mich. Auf einmal hatte ich eine Firma am Bein und wusste nicht, was ich damit machen soll. Man wird mit Sachen konfrontiert, wovon man absolut keinen blassen Schimmer hat. Die technische Seite des Unternehmens, das hatte ich glaube ich drauf. Aber die administrative und die finanzielle Seite waren für mich schwierig. Ich hatte keine Ahnung von Steuererklärung, Börsensachen, Mietrecht. Aber ich habe immer gesagt: „Was du nicht weißt, das lernst du halt irgendwo.“ Wenn man selbst keine Ahnung hat, sucht man sich eben jemanden, der es kann. Habe ich was nicht gewusst, habe ich gesagt: „Bring mir das mal bei!“ Aber die Einstellung hat nicht jeder. Generell denke ich, gibt es einfach zwei Kategorien von Menschen, vielleicht auch noch mehr. Aber ich bin nie die Kategorie von Menschen gewesen, die gesagt hat, ich arbeite jetzt von Punkt 8 bis 5 Uhr und danach könnt ihr mich alle mal. Ich wollte erfolgreich sein. Und wenn man erfolgreich sein will, dann muss man eben mehr arbeiten. Ohne Input kein Output. Wo man nichts reinsteckt, da kommt auch nichts raus. Ich habe in den Anfangsjahren mit Sicherheit jeden Tag 12 Stunden gearbeitet. Aber es hat sich gelohnt.“

Vitaritus Jung & Alt Opa Rudi und seine Geschwister
Opa Rudi mit seinen vier Geschwistern

Viele Erfolgsfaktoren für den Beruf, die Opa Rudi selbst erfolgreich machten, kann man selbst beeinflussen. Vieles kann man sich aneignen, wie zum Beispiel offen zu sein oder bereit zu sein dazuzulernen. Einige andere Erfolgsfaktoren, wie ein gutes Netzwerk und Kontakte, brauchen Zeit, sich zu entwickeln. Eine zusätzliche Prise Glück wünscht dir Jung & Alt und drückt dir beide Daumen. Lass uns einen Kommentar da, falls dir unser Beitrag gefallen hat oder kontaktiere uns direkt mit unserem Kontaktformular.

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Dieser Beitrag hat 16 Kommentare

  1. Reinhard

    Gut gemacht, wenn auch oft nicht einfach. Tolle Auswanderergeschichte. Nicht so ein Müll wie im TV. Alles Gute auch weiterhin.

    1. Jung & Alt

      Danke Reinhard, für deinen Kommentar! Sowas hören wir sehr gerne und freuen uns. 🙂

  2. Birgit

    Ich finde die Beiträge echt toll. Super das ihr sowas erstellt habt.
    Alt und Jung können von einander Lernen.

    1. Jung & Alt

      Hallo Birgit. Vielen Dank für deinen Kommentar! Wir sehen es genauso wie du: jede Generation kann von der anderen lernen, man muss nur bereit dazu sein. 🙂

  3. Natnael

    Schöne Geschichte! Sehr schön zum
    Lesen. Lg

  4. Salem

    Wow echt schöner Beitrag von Opa Rudi 🙂 Es sollten mehr solche Geschichten veröffentlich werden. Davon kann die jetzige Generation nur profitieren..

    1. Jung & Alt

      Danke liebe Salem! Genau das ist es, für was Jung & Alt steht und was wir mit unserem Blog erreichen wollen. Dein Kommentar bedeutet uns deshalb sehr viel! 🙂

    2. Christel Niederstadt

      Hinter diesem Erfolg steht so viel Wille,
      sich zurücknehmen für das Geschäft,
      Energie um Weiterzukommen , Ausdauer um Dranzubleiben , Glaube an sich und seine Fähigkeiten und fortwährende Bereitschaft zu lernen.
      Diese Geschichte hat mich berührt.
      ,

      1. Jung & Alt

        Liebe Christel, danke für deinen Kommentar. Wir bewundern Opa Rudi ebenfalls sehr für dass, was er geschafft hat und hoffen, dass unsere LeserInnen etwas aus dieser Geschichte für sich selbst mitnehmen können. 🙂

  5. Hermon

    Eine sehr inspirierende Geschichte. Toll geschrieben.
    Bitte mehr davon!

  6. Reinhard

    Was hier in diesem Blog aufgebaut wurde und bitte noch weiter betrieben wird, ist sehr, sehr außergewöhnlich. Berührende und gleichzeitig sehr nachdenklich machende Zeitgeschichte , nicht nur aus Deutschland, nein international. Ein immens wichtiger Beitrag, sicher weit über das Lernziel der Studierenden hinaus. Glückwunsch an die THM für solche Männer und Frauen in Ihrem Hause. Ein immens schwieriges Thema mit immens wichtiger Tragweite, auch zur Völkerverständigung. Gerade unter den bedauerlichen Eindrücken von aktuell in Stuttgart sollten diese hier niedergeschriebenen Biografien jedem was auch immer Überdrüssigem Wutmenschen als Beispiel dienen, darüber nachzudenken, warum sie so handeln. Es gibt keinen wirklichen , produktiven Grund dafür.

    Glückwunsch aber auch an unser Land, was allzuoft als zerrissen zwischen den Generationen pauschal dargestellt wird. Das ist nicht so, Junge und Alte können gut miteinander. Die die es nicht können, um diese gilt es sich zu kümmern.

    Eine Kommentatorin meinte, dass dieser Blog, oder auch eine Biografie filmreif sei. Absolut, mindestens aber sollte es für eine überregionale Zeitung im Feuilleton oder im TV reichen.

    Die Entzweiung der Generationen ist hier nicht im Ansatz erkennbar. Hier ist Respekt und Liebe zu Omas und Opas doch förmlich zu spüren, auch durch alle Kommentare hindurch.

    Ich würde mir wünschen, dass die VerfasserInnen da immer weiter machen, auch nach ihrem Abschluss zum Master.

    Könnte noch Stunden über die von mir so eingeschätzt, gesellschaftliche Wichtigkeit schreiben, dass würde aber sicher den Rahmen sprengen.

    Deshalb: danke für Eure tolle Arbeit und Euch alles Gute für eine bestimmt gute Zukunft.

  7. Peter

    Ein bemerkenswerter Berufs- und Lebensweg, den Opa Rudi da eingeschlagen hat. Er zeugt von Mut, Entschlossenheit, Intelligenz und Durchhaltevermögen. Ein toller Beitrag.
    Reinhard, dein Kommentar vom 23.06.20, spricht mir aus ganzen Herzen. Ihr seid eine tolle Familie

  8. Ganz ausgezeichnet, bin beeindruckt und werde weiter folgen … in der Tat, die Auswanderergeschichten sind fast alle eindrucksvoll! Habe viele Menschen in Namibia und auch Australien getroffen, die einen deutschen Hintergrund haben. Etwa 1910 waren ein Drittel aller Menschen in Queensland Deutsche: Angeworben durch die englische Krone, denn due Koenigin kam ja aus Hannover! Das kann man alles sehr gut studieren, wenn man in H nach Herrenhausen faehrt! Anschauen, hinfahren … nicht verpassen! Aus Queensland best yours Peter H Bloecker

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