Opa Hans – Einschulung während des Zweiten Weltkrieges
Opa Hans

Opa Hans – Einschulung während des Zweiten Weltkrieges

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Leben
  • Beitrags-Kommentare:2 Kommentare

Opa Hans – Einschulung während des Zweiten Weltkrieges

27.08.2020

Opa Hans

Das heutige Schulwesen hat sich in vielen Aspekten im Vergleich zu früher geändert. Was wir uns gar nicht vorstellen können, ist eingeschult zu werden, während sich dein Heimatland im Kriegszustand befindet. Opa Hans hat das erlebt und erinnert sich in einem Interview Jung & Alt  an diese Zeit.

vitaritus-2-jung-und-alt-opa-hans3-weltkrieges
Opa Hans

Opa Hans auf einen Blick

Name: Hans
Geburtsjahr: 1934
Anzahl der Enkel: drei Enkel und zwei Urenkel
Lieblingsspiel: Solitaer
Die genialste Erfindung aller Zeiten: die Maschine generell

„Ich bin am 05. November 1934 in Frankfurt am Main geboren. Meine Erinnerungen beginnen im Herbst 1940, als ich mit sechs Jahre in die Spohrschule eingeschult wurde. Meine Eltern waren geschieden und meine Mutter mit zwei Kindern alleinerziehend!“

„Mein erster Klassenlehrer hieß Herr Quack. Ein Hort befand sich im gleichen Gebäude, den besuchte ich nach der Schule bis meine Mutter mich abholte. Die Betreuerinnen waren Fräulein Adam und Frau Becker, die auch u.a. die Hausaufgaben überwachten. Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden unverheiratete Frauen mit Fräulein angesprochen. Das war genauso albern, wie wenn man unverheiratete Männer mit Herrlein oder gar mit Männlein genannt hätte. Geschrieben wurde auf einer Schiefertafel. Die eine Seite war liniert, die andere kariert. Zur Auswahl gab es zwei Griffelarten eine weiche und eine harte Version.“                                    

„Zum Reinigen hingen an Schnüren ein kleiner Schwamm zum Abwischen und ein kleines Tuch zum Trocknen an der Tafel. Hefte gab es noch keine. Eine Schultüte, in der nur ganz wenig Naschwerk war, hatte meine Mutter organisiert und ich trug sie voller Stolz!“

Während des Weltkrieges schreiben lernen - das war anders als jetzt

„Am zweiten oder dritten Tag nach der Einschulung durften wir erstmals auf unserer Tafel schreiben. Der Lehrer schrieb ein „i“ nach der alten deutschen Schreibweise an die Wandtafel. „Auf-ab-auf Pünktchen obendrauf“ kam das Kommando vom Lehrer und wir mussten schreiben. Als Linkshänder nahm ich den Griffel in die linke Hand. Mein Lehrer ermahnte mich, den Griffel in die rechte, dem schönen Händchen, zu nehmen. Das tat ich auch. Aber am nächsten Tag nahm ich den Griffel wieder in die linke Hand. Mein Lehrer kam mit dem Rohrstock, ich musste ihm die linke Hand reichen und bekam einen Schlag auf die Handfläche. Aua, da kamen die ersten Tränen! Seit dieser Zeit schreibe ich mit rechts. Alles andere mache ich aber immer noch mit der linken Hand.“

„Nach einiger Zeit durften wir die Tafel beiseitelegen und mit Federhalter und Tinte schreiben. An jedem Platz befand sich ein Tintenfass mit Tinte, die Feder wurde darin getaucht und man konnte damit ein paar Buchstaben schreiben. Dann musste die Feder wieder in die Tinte eingetaucht werden. Am Anfang hat es schon ein paar Tintenkleckse gegeben. Füllfederhalter gab es erst später und die hatten nur ganz wenige.“

vitaritus-2-jung-und-alt-opa-hans2-weltkrieges
Opa Hans mit seiner Schultüte
vitaritus-2-jung-und-alt-opa-hans2-weltkrieges
Opa Hans als Kind

Der Geburtstag von Hitler wurden an den Schulen gefeiert

„An Hitlers Geburtstag, dem 20. April, fanden sich alle Klassen auf dem Schulhof ein. Da wurden Reden geschwungen, am Ende das Deutschlandlied „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“ und das Horst Wessel-Lied „die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen S.A. marschiert“ gesungen. Während des Singens mussten wir alle den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt und nach oben heben. Einigen schlief der Arm ein und wir nahmen ihn etwas nach unten. Dieses Miststück von Lehrerin hatte das gesehen, ging reihum und hat mit dem Rohrstock auf die Fingerkuppen geschlagen. Vor Schmerzen haben wir geweint!“

Die Propaganda hatte Einfluss auf unserer Erziehung

„In „Anti-Nazi-Familien“ wurde im Beisein von Kindern und Jugendlichen nie negativ über das Naziregime geredet. Man hatte Angst, dass die Kinder versehentlich mit anderen darüber redeten, was schwerwiegende Folgen hätte haben können! So hatte schon die Propaganda der Nazis, ob in der Schule, im Radio oder der Presse großen Einfluss auf die Erziehung der Kinder.“

„Ein Beispiel: Am Glauburgplatz, ganz in unserer Nähe, hatten die Hitlerjungen in ihren Braunhemden Dienst. Da wurden Phrasen gedroschen, Nazilieder gesungen, Strammstehen und Marschieren geübt. Wir standen mit glühenden Augen dabei und konnten es nicht erwarten bei den „Pimpfen“* aufgenommen zu werden.“

„Eine Frage, die ich mich immer noch beschäftigt, ist, ob ich auch ein „Nazi“ geworden wäre, wenn wir diesen Krieg gewonnen hätten?“

*Pimpf die Vorstufe zur Hitlerjugend ab 10 Jahren

Was hältst du von den Erinnerungen von Opa Hans? Schreibe deine Gedanken in den Kommentaren auf. Falls du weitere Fragen, Ideen oder Anregungen für Jung & Alt hast, besuche unsere Über Uns Seite oder kontaktiere uns.

close

Der Jung & Alt Newsletter

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Peter GELLER

    Ja, das war schon eine schwere Zeit, die Opa Hans und seine Generation durchgemacht haben. Obwohl ich 1956 eingeschult wurde, habe ich ebenfalls auf der Schiefertafel schreiben gelernt. Auch den Rohrstock haben wir kennengelernt. Gott sei Dank war das ab dem 2. Schuljahr Geschichte.

  2. Klara Tamara

    Meine Gedanken dazu:

    Ich bin ja knapp 20 Jahre später geboren und wenn ich das so lese, denke ich: zu der Zeit wurde das Volk auch manipuliert, ich finde es immer schrecklich, wenn man etwas unter Zwang machen muss.
    Hoffentlich kommt das mit dem Rohrstock nicht wieder, wenn das Kind keine Maske aufsetzt oder wegen Atemnot keine verträgt. Zum Beispiel bei Asthma…….

Schreibe einen Kommentar