Oma Gisela – mein Sohn mit Behinderung
Oma Gisela

Oma Gisela – mein Sohn mit Behinderung

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Oma Gisela - mein Sohn mit Behinderung

18.06.2020

Oma Gisela

Wie ist es einen Sohn mit Behinderung zu haben? Welche Probleme gibt es bei der Erziehung? Was macht das mit der Familie? In diesem Interview mit Jung & Alt erzählt uns Oma Gisela eine berührende Geschichte über ihren Sohn Richard und, wie er ihren Alltag verändert hat.

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Oma Gisela

Oma Gisela auf einen Blick

Name: Oma Gisela
Geburtsjahr: 1956
Anzahl der Enkel: 3, bald 4

Meine Enkel: „Meine Enkel dürfen alles ausprobieren, was nicht gefährlich ist, auch wenn es Dreck macht. Ich genieße es, mich auf das Spiel mit ihnen einzulassen. Und sie beschenken mich reich mit ihrer Liebe und ihrem Vertrauen.”

Motto: „Wichtig finde ich – ob mit 20 oder mit 60 – dass man gedanklich offen bleibt, nicht verhärtet und mit Herz und Verstand agiert, denn wie ein kluger Spruch sagt: “Nur mit dem Herzen sieht man wirklich gut.“

„Als wir den Entschluss fassten, Richard mit seinen Apparaten nach seinem
Krankenhausaufenthalt nach
Hause zu holen, wussten wir, dass harte Belastungen auf uns zukommen.”

“Er war sauerstoffpflichtig, hing am Monitor, der seine Herztätigkeit überwachte und wurde über Magensonden ernährt.  Alle drei Stunden, rund um die Uhr, waren Versorgungseinheiten nötig, die in der Klinik Krankenschwestern in drei Schichten übernahmen. Das hieß aber für Richard, er konnte einen Bezug zu uns aufbauen, weil er nicht ständig wechselnde Personen um sich hatte. Seine Brüder hatten ihn bis dahin sehr wenig gesehen, wegen der Infektionsgefahr für dieses empfindlichen Frühchen.”

“Mein Mann und ich hatten ihn zweimal täglich während der Klinikzeit besucht. Mein Mann vor der Arbeit, ich abends. Richard wurde ruhiger, benötigte zum Abend keine Sedativa mehr und genoss die Zuwendung durch die Familie.”

Die Anforderungen eines Sohns mit Behinderung

“Es gab viele Rückschläge, durch Infekte und verschlimmerte Herzinsuffizienz. Dann mussten wir wieder kurzfristig auf die Intensivstation. Wir waren gut vernetzt, ein Oberarzt der Klinik besuchte uns zu Hause und nahm Blutproben mit. Unser Kinderarzt hat in seiner Mittagspause Hausbesuche bei Richard gemacht. Unser Apotheker brachte uns die vielen Medikamente ins Haus. Es war ein Netzwerk. Meine Eltern kümmerten sich viel um die Großen, wenn ich mit Richard in die Klinik musste.”

“Unser Haus war mit Sauerstoffleitungen in jedem Raum ausgestattet, im Keller lief ein Sauerstoffkonzentrator. Sauerstoffflaschen hatten wir für den Fall eines Stromausfalls, für den Transport im Auto oder Kinderwagen. Richard genoss das Spiel mit seinen Brüdern und ihren Freunden. Im Winter brachten ihm die Jungs Schnee in einer Schüssel und bauten ihm einen Mini- Schneemann.”

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Oma Gisela als Kind

Die positive Entwicklungen meines Sohns mit Behinderung

“Richard lernte spät laufen, da ihm die Luft fehlte. Er besuchte den Miniclub als er fünf Jahre alt war und kam mit sieben Jahren in die Schule, in Einzelintegration in der Regelschule, die auch seine Brüder besuchten. Er wurde sehr oft krank, teilweise sehr bedrohlich, sodass ein Hausunterricht organisiert werden musste. Trotzdem liebte er es, zur Schule zu gehen, bis die Anforderungen in der dritten Klasse komplexer wurden und mit Einzelfallhilfe nicht mehr abgedeckt werden konnten. Da war die Klasse mit 23 Schülern für ihn zu groß. Um ihm die Freude am Lernen zu erhalten, nahm ich Kontakt zu Förderschule für Körperbehinderte auf. Richard fand dort einen Platz in einer Klasse mit 7 Kindern und sehr engagierten Sonderschullehrern.”

“Richard hat den erweiterten Hauptschulabschluss geschafft und war ein fleißiger und wissbegieriger Schüler, der sehr viel über Tiere wusste. Heute lebt er, mit unserer Unterstützung in einer eigenen Wohnung, was ihm sehr wichtig ist. Er hat zwei Katzen, die er sehr liebt. Für diese Menschen ist es sehr schwer, einen Lebenspartner zu finden. Aber wer weiß, vielleicht kommt irgendwann das große Glück. Ohne Netzwerke, wäre alles nicht gut geworden und Richard kann sich immer auf seine Familie verlassen.”

Die Bedeutung für die Familie

“Ich bin froh und glücklich, dass meine Kinder ihren Platz im Leben gefunden haben. Wir hatten alle mit der Behinderung von unserem Jüngsten und dessen aufwendiger Pflege zu Hause viele Schwierigkeiten, den Alltag zu meistern. Für die gesunden Geschwister hieß das, auch Entbehrungen auf sich zu nehmen, aber im Gegenzug haben wir als Gemeinschaft überlebt, was nicht selbstverständlich war. Viele Familien sind an diesen Problemen zerbrochen. Es hat uns allen viel abverlangt.“

Falls du Fragen, Ideen oder Anregungen für Jung & Alt hast, besuche unsere Über Uns Seite oder kontaktiere uns. Über Kommentare freuen wir uns sehr und geben diese natürlich an Oma Gisela weiter. Jung & Alt findet es sehr mutig, dass sie Ihre Geschichte über Ihren Sohn mit Behinderung mit uns geteilt hat!

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Timo K.

    Eine berührende Geschichte und eine starke Frau! Toll!

    1. Jung & Alt

      Hallo Timo, ja, da hast du vollkommen recht! Sie und ihre Familie sind unglaublich stark und mutig. Vielen dank für deinen lieben Kommentar. 🙂

  2. Peter GELLER

    Eine unglaubliche Leistung, die Oma Gisela zusammen mit ihrer Familie vollbracht hat. Ich wünsche ihr mit Familie noch viele glückliche und vor allen gesunde Jahre

    1. Jung & Alt

      Hallo Peter, danke für deinen Kommentar. Genauso sehen wir das auch und wünschen ihnen das selbe von Herzen. Wir geben deinen Kommentar gerne an Oma Gisela weiter. Sie wird sich sicherlich freuen!

  3. Reinhard

    Für einen Vater mit zwei gesunden Kindern ist es unvorstellbar was für eine Leistung hinter diesem Lebensweg steckt. Umso mehr dürfen alle dankbar sein, die dieses Schicksal nicht tragen müssen. Ich drücke die Daumen, dass es mit dem Gewünschten doch noch klappen wird.

    1. Jung & Alt

      Vielen Dank, Reinhard, für deinen Kommentar. Jung & Alt kann dir nur zustimmen! Wir werden deinen Kommentar an Oma Gisela und ihre Familie weitergeben.

  4. Klara Tamara

    Meine Hochachtung für Oma Gisela und ihre Familie.
    Aber auch für Richard, dass er es soweit gebracht hat. Und seine geliebten Katzen können ihm so viel Liebe, Freude und Freundschaft geben, die für ihn sehr wertvoll sind.
    Wer weiß…..vielleicht ist ja für ihn auch noch ein Lebenspartner vorgesehen?

    1. Jung & Alt

      Danke liebe Klara für deinen tollen Kommentar! Wir geben ihn mit Freuden an Oma Gisela, Richard und ihre Familie weiter. Auch wir wünschen ihnen ganz viel Kraft und Freude für die Zukunft!

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